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Beim ersten Lesen weckt diese poetische Umschreibung Assoziationen an ein längst vergessenes Kindermärchen, in dem sich ein kindlicher Held auf die Suche nach dem Ursprung der Farbe macht.
Diesen Überlegungen erlagen wohl auch wir, die Klasse 11a des Wirsberg-Gymnasium - bis uns Frau Blum-Pfingstl, unsere Kunstlehrerin, mit dezenten Andeutungen fütterte und wir erkennen mussten:
Aus mit der Märchenstunde. Es geht tatsächlich um Farben, wortwörtlich. Farben, die auf altmodische Art und Weise aus Erden hergestellt werden. Erde die sich hier in Würzburg und seinen kleinen Plätzen finden lässt. Während sich nun gleichzeitig die 5. Klasse damit beschäftigte, die Erde von den Orten der Stadt zusammenzutragen, waren wir mit der Aufgaben betraut, uns mit der "wissenschaftlichen" und theoretischen Seite der Farben auseinanderzusetzen. Der Unterricht der 5. Klasse stellte also vor, wie Farbe auf altmodische Art und Weise in alter Zeit hergestellt wurde und im Bezug darauf gingen sie selber auf Jagd nach den Nuancen der heimischen Erden.
Die Klasse 11a griff das Thema auf und dachte sich eine mögliche „Vermittlungs-Aktion“ aus: Anregung und Idee zu diesem Projekt erhielten wir von den Arbeiten des Künstlers Herman de Vries Er stellt seine Farben aus natürlichen Rohstoffen her. Er malt mit auf langen Wanderungen gesammelten Erdpigmenten seine Bilder, indem er diese verreibt, um so den unverwechselbaren Farbton eines Ortes in seiner reinsten Form hervorzuzaubern.
Diese Idee führten wir nun fort - simpler und sicher weniger professionell - jedoch als unsere Hommage an ihn.
Wollen Sie nun, werte Besucher, auch ein Stückchen, einen Hauch, ein Bild Ihres Lieblingsplatzes in Würzburg mit nach Hause nehmen? Dann lassen Sie uns auf den Spuren von de Vries gemeinsam eine erinnernde Karte „anreiben!“
Lea Daxelmüller und Marie-Louise Flentje
Hineingeboren in eine Welt voller Farben, wachsen wir, umgeben von den Farben unserer Umwelt und unseres Heimes, auf. Wir kleiden uns bunt, essen farbige Nahrung und treffen täglich Entscheidungen auf Grund von farbbestimmten Eindrücken. Selten haben wir Wahrnehmungen, die frei von Farbeinflüssen sind, wie etwa in einem Raum in völliger Dunkelheit. Über wie viel an Wissen verfügen wir aber in Bezug auf Farbe?
Farben rufen nicht nur kulturelle und psychische Wirkungen hervor, Farbe erzielt auch politische Wirkungen – wie Rot als Farbe der Revolution und des Kommunismus – oder traditionelle Wirkungen – wie der Ausdruck „giftgrün“, der auf die traditionelle Farbherstellung von Grün mit Arsen zurückzuführen ist.
Bedenken wir beim Betrachten von Bildern die Funktionen von Farbe? Die Symbolfarbe verknüpft den höchsten Symbolrang der Farbe mit dem höchsten Materialwert. Dies ist etwa Grund für die blaue Mantelfarbe Marias, dessen Farbe von hohem Symbolrang aus dem teuren Stein Lapislazuli gewonnen wurde. Die Lokal- oder Gegenstandsfarbe unterscheidet sich von der Erscheinungsfarbe insofern, als die Gegenstandsfarbe die dargestellten Objekte detailliert in ihrer Eigenfarbe darstellt, wohingegen die Erscheinungsfarbe die Beleuchtungsverhältnisse durch Licht und Schatten berücksichtigt. Das innere Vorstellungsbild macht die Ausdrucksfarbe sichtbar. Sie ruft wie bei Franz Marc’s „Großen blauen Pferden“ eine suggestive Wirkung hervor. Und nicht zuletzt ordnet die Absolute Farbe hingegen verschiedene Farbelemente auf der Bildfläche an.
Der Gesamteindruck eines Bildes bestimmt jedoch nicht nur die Maltechnik wie Öl-, Acryl, Tempera- oder Aquarellmalerei, sondern auch die Malweise, über welche das benützte Werkzeug, ob Pinsel, Schwamm oder Spachtel Auskunft geben. Moderne Künstler wie Jackson Pollock oder Wolfgang Laib setzen seit gut 100 Jahren einen Gegenpol: „Dripping“, seismographisch anmutende Tropfspuren etwa machen den Pinsel überflüssig. Und mit löwenzahn-gelben Blütenstaub gesiebte Quadrate lassen selbst die Strahlkraft der Farben in Buchmalerei verblassen...
Die Malerei als eine der ältesten Formen der Bildenden Künste umgibt uns seit 35000 vor Chr. – von der prähistorische Höhlenmalerei in der Steinzeit bis zum gegenwärtigen Graffiti.
Angela Osthoff